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Factoring als attraktive Finanzierungsalternative

Factoring ist der laufende Ankauf kurzfristiger Forderungen aus Lieferungen und Leistungen insbesondere mittelständischer Unternehmen durch einen sogenannten Factor, d. h. durch eine spezielle Factoring-Gesellschaft oder durch eine Bank.

Wie bei einem (Rechnungs-) Kauf bestellt der Käufer (1) und der Verkäufer liefert die Ware oder erbringt seine Dienstleistung gegen Rechnung (2). Der Verkäufer hat aber zuvor einen Factoring-Vertrag mit einem Factor (0) geschlossen, in dem festgelegt ist, welche Forderungen von welchen Kunden vom Factor nach Zustellung einer Rechnungskopie (3) an den Verkäufer mit welchem Abschlag ausgezahlt werden (4).

Dabei wird danach unterschieden, ob dies dem Käufer bekannt ist (offenes Factoring: In der Rechnung an den Käufer wird darauf hingewiesen, dass die Forderung an einen Factor abgetreten ist und der Käufer die Zahlung an den Factor zu leisten hat) oder nicht (stilles Factoring: keine Bekanntgabe der Forderungsabtretung. Die Zahlung erfolgt an den Verkäufer, der sie dann an den Factor weiterzuleiten hat). Auch der Fall, dass der Käufer wahlweise an den Verkäufer oder den Factor zahlen kann, ist denkbar (halboffenes Factoring: Information über eine Zusammenarbeit mit einem Factor, jedoch ohne Abtretungserklärung seitens des Verkäufers).

Hat der Käufer (nach Zahlungsziel oder entsprechend einer Tilgungsvereinbarung) gezahlt (5), erfolgt seitens des Factors auch die verbleibende Restauszahlung (6), gegebenenfalls abzüglich der sogenannten Factoringgebühren.

Factoring

Factoring gewinnt als Finanzierungsmodell zunehmend an Bedeutung. Der Factoring-Markt wächst seit einigen Jahren kontinuierlich, wie die folgende Grafik veranschaulicht:

Factoring - DFV
Quelle: Deutscher Factoring Verband E. V. (2015). Jahresbericht 2014, S. 6 [1]


Die bedeutenden Vorteile des Factorings für das Unternehmen ergeben sich aus den Funktionen, die der Factor in der Regel übernimmt:

  • Factoring bringt Liquidität (Finanzierungsfunktion):

    Wenn der Umsatz steigt, nehmen in der Regel auch die Außenstände zu. Dank Factoring fließt der Verkaufserlös aus den Forderungen ausgewählter oder aller Kunden nahezu vollständig sofort ins Unternehmen und kann für neue Projekte eingesetzt werden.

  • Factoring bringt Entlastung (Dienstleistungsfunktion):

    Der Factor übernimmt die Debitorenbuchhaltung, das zeitaufwändige Mahnwesen und ggf. das Inkasso, so dass sich der Verkäufer auf seine Kernkompetenzen konzentrieren kann. Bei effizientem Management des Forderungsbestands lässt sich einem Anstieg der Zahlungsziele und den meist damit einhergehenden Forderungsausfällen entgegenwirken.

  • (Echtes) Factoring schützt vor Forderungsausfällen (Delkrederefunktion):

    Der Factor übernimmt gegen Gebühr das Ausfallrisiko. Entfällt die Delkrederefunktion, handelt sich es um ein sogenanntes unechtes Factoring. Wenn der Käufer die Rechnung nicht bezahlt, trägt der Factor den Schaden, sofern für den Käufer seitens des Factors ein zugesagtes Debitorenlimit vorab genehmigt wurde.

Darüber hinaus ergeben sich weitere Effekte:

  • Factoring verbessert die Profitabilität:

    Der Verkäufer kann die sofortige Liquidität nutzen, um im Einkauf häufiger Skonti und Rabatte in Anspruch zu nehmen. Außerdem kann die Nutzung kurzfristiger Kreditmittel vermieden oder reduziert werden; dadurch sinken die Zinskosten.

  • Factoring stärkt die Bonität:

    Die Bilanzverkürzung durch den Forderungsverkauf führt, wie auch beim Leasing, zu einer Erhöhung der Eigenkapitalquote. Eine verbesserte Liquidität wirkt sich positiv auf die Bonität aus. Die Finanzierungsmöglichkeiten bei Kreditinstituten verbessern sich und die Finanzierungskosten sinken.

  • Factoring festigt die Kundenbindung:

    Der Verkäufer kann seinen Kunden längere Zahlungsziele einräumen, ohne Liquiditätsengpässe zu riskieren. Das erhöht die Flexibilität und die Käufer wissen es zu schätzen.

  • Factoring bringt mehr Transparenz:

    Vom Factor erhält der Verkäufer stets aktuelle Informationen über die Bonität der angekauften Debitoren und stellt i. d. R. professionelle Auswertungen über den Forderungsbestand des Verkäufers zu Verfügung.

Factoring ist für Kunden und Anbieter gleichermaßen eine lohnende Alternative. Um die Automatisierung zu erhöhen und die Prozesskosten zu senken, sollten Anbieter auf optimale IT-Unterstützung achten. Im Factoring fallen eine enorme Menge an Informationen und Belegen an. Eine manuelle Bearbeitung wäre aufwändig, ineffizient und fehleranfällig. Eine vollstufige Prozessabbildung des Factoring-Geschäfts in einer modernen und durchgängigen IT-Plattform ermöglicht eine Automatisierung der Geschäftsprozesse sowie höhere Sicherheit, Zuverlässigkeit und Schnelligkeit bei der Bearbeitung von Rechnungen und Auszahlungen.

Verfügt der Factoringanbieter über eine moderne IT-Lösung für das Factoring-Geschäft, werden maßgeschneiderte Prozesse zur Objekt- und Produktwahl, Beantragung, Genehmigung und Bewirtschaftung von Factoring-Finanzierungen bereitgestellt. Darüber hinaus wird eine automatisierte Abbildung der gesamten Prozesskette von der Entstehung bis zur Beendigung ermöglicht.

Funktionalitäten moderner Factoring-Lösungen

  • Dokumenten-Uploads für Rechnungen (und Anbindung von Dokumenten-Management-Systemen)
  • Auswahl bzw. Prüfung des zu finanzierenden Objekts
  • flexible, individuell abgestimmte Zahlungsziele oder Tilgungspläne
  • Erfassung des erforderlichen Datenhaushaltes mit entsprechenden Plausibilitätsprüfungen
  • automatisierte Abfrage von Auskünften
  • Scoring
  • Generierung automatischer oder manueller Kreditentscheidungen über eine workflow-unterstützte Kreditbearbeitung
  • schnelle, bei entsprechender Bonität vereinfachte Auszahlungen
  • Vertragsverwaltung und -buchhaltung
  • Rahmenverträge für die beteiligten Geschäftspartner inklusive sämtlicher Einstellungen wie z. B. eingeräumte Limite und deren Ausschöpfungen, Basiszinsen oder Ratings auf Basis quantitativer und qualitativer Kriterien

So lässt sich das Geschäft für den Factor effizient und wirtschaftlich betreiben, und es ergibt sich ein attraktiver Business Case, der, falls der Factor eine Bank ist, auch in anderen Geschäftsfeldern Vorteile generiert und dessen Wettbewerbsfähigkeit erhöht.

1 Deutscher Factoring Verband E. V. (2015). Jahresbericht 2014. Berlin

 

Dr. Lars Rüsberg

Autor:

Dr. Lars Rüsberg

für afb Application Services AG

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