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Wie funktioniert Blockchain?

Wissen Sie, was Blockchain ist? Ja, klar, sind das nicht diese digitalen Münzen? Nein, nein, ich hatte nicht nach Bitcoin gefragt – die Rede ist hier von Blockchain. Beide Begriffe klingen zwar ähnlich und beide Themen haben auch miteinander zu tun, aber es handelt sich hier um zwei vollständig verschiedene Betrachtungsebenen. Mehr dazu an späterer Stelle.

Obwohl es im Web an Erklärungsversuchen nicht mangelt, ist Blockchain für viele noch eine undurchschaubare Angelegenheit. Wenn Sie die Blockchain-Technologie einmal so verstehen möchten, dass Sie sie einem Dritten verständlich erklären können, dann lohnt sich die Lektüre dieses Artikels: Nach fünf Minuten werden Sie dazu in der Lage sein. Noch wichtiger: Sie werden dazu in der Lage sein, den laufenden Debatten zu folgen und sich selbst ein Bild über die künftige Bedeutung dieser Technologie zu machen.

Übrigens – weshalb sollten Sie sich dem Thema eigentlich überhaupt widmen? Nun, in Expertenkreisen schätzt man diese Technologie als so bedeutend ein, dass sie die Wirtschaft und unser Zusammenleben in ähnlicher Form revolutionieren wird, wie es das Internet getan hat. Dies sollte ein guter Grund sein, diese anschauliche Blockchain-Erklärung zu nutzen. sich genauer über sie zu informieren. Übrigens: Blockchain erklärt auch, wie wichtig es ist, sich mit digitaler Transformation zu befassen, weil die digitale Transformation in ihrer vollumfassenden Tragweite deutlich wird.

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1. Wie funktioniert Blockchain?

Die Erklärung veranschaulicht Blockchain anhand einer Situation, die jeder aus dem Alltag kennt: Jemand möchte an eine andere Person Geld überweisen. Im Folgenden sind in grafischer Form alle Schritte dargestellt, die bei diesem Vorgang passieren, ohne dass man sich ihrer bewusst ist. Dieser Prozess wird zunächst ohne und dann mit Blockchain erklärt.

(1) A möchte an B einen Geldbetrag von 100 Einheiten (100 E) überweisen.

B befindet sich an einem anderen Ort als A, in diesem Beispiel sitzt B im Ausland.

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Abbildung 1: A möchte an B 100 E überweisen


Was muss heute passieren, damit der Betrag überwiesen wird?

(2) Ein Intermediär kommt ins Spiel

Heute muss für diesen Vorgang ein „vertrauensvoller Dritter“ bzw. ein Intermediär eingeschaltet werden. Diese Instanz (z. B. eine Bank oder auch ein FinTech) wickelt das Vorhaben ab. Dazu nimmt der Intermediär von A die 100 E in Empfang, denn er genießt das Vertrauen von A, dass er B als den legitimen Empfänger des Geldes identifiziert und die 100 E an ihn überweist. Der Intermediär leitet dann den Betrag von 100 E an B weiter.

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Abbildung 2: Die Transaktion geht nicht ohne Intermediär

(3) Intermediär verursacht negative externe Effekte (Kosten, Zeit- und Informationsverlust)

Nur in einer perfekt effizienten Welt erhält B die 100 E so von A, als hätte das auf direktem Wege stattgefunden: in Echtzeit und ohne Wert- oder Zeitverlust. Aber in unserer heutigen Praxis geschieht das nie ohne negative externe Effekte. Aus Sicht von A und B kommt es insbesondere zu drei Arten von negativen Effekten:

  1. Es fallen Gebühren an, z. B. 1 E.
  2. Es dauert eine gewisse Zeit, bei einer Auslandsüberweisung z. B. 3 Tage.
  3. Der direkte Kontakt zwischen A und B ist unterbrochen.

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Abbildung 3: Intermediär sorgt für Kosten, – Zeit- und Informationsverlust

(4) Blockchain soll Intermediär ersetzen

Genau diese drei Effekte sollen mit der Blockchain-Technologie umgangen werden. Mithilfe der Blockchain findet die Transaktion statt, ohne dass ein Intermediär eingeschaltet werden muss. Das hat folgende Konsequenzen:

  1. Die Transaktion soll günstiger werden.
  2. Die Transaktion soll schneller, d. h. in Echtzeit abgewickelt werden.
  3. Eine direkte Kommunikation zwischen den Transaktionspartnern wird möglich.

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Abbildung 4: Blockchain-Technologie soll sämtliche negativen externen Effekte eliminieren


Wie soll etwas auf einmal möglich sein, was jahrhundertelang nicht möglich war? Das erfahren Sie in den nun folgenden Schritten (5)–(7).

(5) Blockchain – Säule 1/3: Offenes Kontobuch

Die erste von drei tragenden Säulen des Blockchain-Konzeptes ist das „Offene Kontobuch“. Angenommen, die folgende Abfolge von Transaktionen liegt vor: A hat zu Beginn 100 Einheiten. Dann überweist A hiervon 50 an B. B überweist 30 an C. Schließlich überweist C an D 10 Einheiten.

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Abbildung 5: Geplante beispielhafte Abfolge von Transaktionen


Anhand dieses einfachen Beispiels wird das Konzept des „Offenen Kontobuchs“ deutlich. Wenn man beispielsweise die oben beschriebenen Transaktionen in einem Kontobuch bucht bzw. protokolliert, dann sieht das Protokoll so aus: Es ist festgehalten, dass A über einen Anfangsbestand von 100 verfügt. Dann werden die darauffolgenden Transaktionen einfach nacheinander mit der jeweils vorangegangenen Information bzw. dem entsprechenden Buchungsvorgang „verkettet“. Das ergibt folgendes Bild:

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Abbildung 6: Abbildung der Transaktionen in einem offenen Kontobuch


Im Ergebnis hat man ein Kontobuch von verketteten Transaktionen, was bereits an dieser Stelle die Logik der Namensgebung nachvollziehbar werden lässt. Das Prinzip des „Offenen Kontobuchs“ bedeutet, dass jeder, der zu dem Netzwerk der Transaktionen gehört, das Kontobuch sieht. Jeder einzelne Teilnehmer der Blockchain A, B, C, D kann dank des „Offenen Kontobuchs“ sehen, ob es sich um eine valide Transaktion handelt. Würde D versuchen, an A 50 Einheiten zu überweisen, wäre das keine valide Transaktion, weil jeder sehen kann, dass D nur 10 Einheiten besitzt. Diese Transaktion könnte dementsprechend nicht an die Kette gehängt werden.

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Abbildung 7: Der Vorgang wird anhand des offenen Kontobuchs nachvollziehbar – ohne die Transaktionen zu kennen

(6) Blockchain – Säule 2/3: Verteiltes Kontobuch

Wie man an obiger Grafik sieht, existiert nun ein „Offenes Kontobuch“. Aber dieses steht immer noch an zentraler Stelle. Doch Blockchain wollte doch die zentrale Stelle eliminieren? Wie das geht, erklärt die nächste Säule von Blockchain: An die Stelle eines zentralisierten „Offenen Kontobuchs“ treten private Kopien davon, die jeder der Teilnehmer erhält.

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Abbildung 8: Anstelle eines zentralen „offenen Kontobuchs“ hat nun jeder Teilnehmer eine (private) Kopie davon


Somit ist eine zentralisierte Instanz nicht mehr nötig. Damit ist aber ein neues Problem geschaffen worden: Wie stellt man sicher, dass alle vier Teilnehmer die gleiche Kopie haben und diese immer auf dem neuesten Stand ist? Dies führt zum dritten und erklärungsbedürftigsten Prinzip von Blockchain, zu den sogenannten Miners.

(7) Blockchain – Säule 3/3: Synchronisation der verteilten Kontobücher durch Miners

Hierzu gehen wir in dem hier behandelten Beispiel zurück und stoppen bei Schritt 2. Das bedeutet, wir beginnen an dem Punkt, an dem A einen Anfangsbestand von 100 Einheiten hatte und hiervon 50 an B überwiesen hat. In dieser Situation steht B nun vor dem Schritt, 30 Einheiten an C überweisen zu wollen. Wie macht er das? Das geht so: B veröffentlicht die Absicht, 30 Einheiten an C überweisen zu wollen. Hierzu meldet er sein Vorhaben an.

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Abbildung 9: Ausgangssituation zur Verdeutlichung der Tätigkeit der Miners


Vorerst handelt es sich bei dem Vorhaben von B, die 30 Einheiten an C zu überweisen, um eine Transaktion, die noch nicht validiert ist. Sie steht also noch nicht in den Kontobüchern von A, B, C und D. Um sie in die Kontobücher zu verketten, muss die Transaktion validiert werden. Nun treten die Miners in Aktion. Miners können ausgewählte Teilnehmer des Netzwerks sein. Sie beteiligen sich an dem Wettbewerb bzw. der Ausschreibung, die Transaktion in das Kontobuch verketten zu dürfen. Im folgenden Beispiel sind z. B. C und D Miners.

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Abbildung 10: Anmeldung des Vorhabens von B und Initialisierung der Miner-Tätigkeit durch D und C


Miners haben zwei wesentliche Aufgaben:

  1. Eine Transaktion validieren: Das ist leicht, denn jeder in dem Netzwerk kann aufgrund des „Offenen Kontobuchs“ nachvollziehen, ob die gewünschte Transaktion erlaubt ist.
  2. Einen speziellen Datenschlüssel herausfinden: Dieser Datenschlüssel eröffnet die Möglichkeit, die ausgeschriebene Transaktion an das Kontobuch zu verketten.

Hierfür treten die Miners in einen Wettbewerb, der sich mit dem um den „Kopfrechenkönig“ aus der Grundschule vergleichen lässt. Zu lösen ist eine Mathematikaufgabe. Wer sie als Erster gelöst hat, ruft laut „hier“. Im Falle der richtigen Lösung gilt er als Gewinner dieser Runde und bekommt eine kleine Belohnung. Bei der Blockchain ist das ähnlich. Derjenige, dem es als Erstem gelingt, den Schlüssel herauszufinden, um die angemeldete Transaktion an die letzte des Kontobuchs zu hängen, meldet dies. Der Gewinner – in diesem Beispiel D – erhält das Recht, die Transaktion in das Kontobuch zu übernehmen und dies an alle Teilnehmer zu veröffentlichen. Als finanzielle Belohnung erhält der Teilnehmer eine gewisse Anzahl an Bitcoins. Die Transaktion wird an die Kette von D gehängt und publiziert.
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Abbildung 11: Gewinn des Mining-Contests durch D


Sobald der Sieger feststeht, wird das von allen anderen Teilnehmern der Blockchain akzeptiert. Jeder der Teilnehmer verkettet die angemeldete Transaktion mit dem vorhandenen Kontobuch. Alle haben wieder den gleichen Stand des Kontobuchs, nun inklusive der neuen Transaktion, nach der 30 Einheiten von B zu C übergegangen sind. Es ergibt sich folgendes Bild:

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Abbildung 12: Aktualisierung aller privaten Kontobücher, nachdem D den Mining-Contest gewonnen hat


Das ist das Grundprinzip in sieben Schritten [1]. Es bedarf keiner besonderen Erwähnung, dass es sich hierbei um eine vereinfachte Darstellung handelt. Viele Fragen bleiben an dieser Stelle ausgeklammert: Wie findet ein Mining-Wettbewerb statt? Wer kann an einem Mining-Contest teilnehmen? Die wichtigsten Fragen werden wir im nächsten Kapitel im Frage-Antwort-Stil klären.

2. Fragen und Antworten zu Blockchain

Warum heißt Blockchain eigentlich Blockchain?

Die Vorgänge (im obigen Beispiel die Vorgänge des Geldtransfers) heißen „Blocks“. Diese werden verkettet. Das Ergebnis sind also Ketten aus diesen Blocks. Hat man die Bilder vor Augen, die bei Punkt 1, d. h. bei der Erläuterung des Grundprinzips verwendet wurden, so wird schnell deutlich, wie es zu dem Namen „Blockchain“ kommt:

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Abbildung 13: Visuelle Ableitung der Kette aus dem Kontobuch

Gibt es eine Definition von Blockchain?

Die Komplexität des Themas scheint sich schon bei Wikipedia widerzuspiegeln. Findet man bei Wikipedia heute schnell Definitionen für jegliche Sachverhalte, ist das bei Blockchain nur eingeschränkt der Fall. Es findet sich zwar eine Art „Definition“. Darüber erscheint aber der Hinweis, dass es sich bei dieser Definition um keine allgemein verständliche Erklärung handelt, wobei auf die entsprechende Diskussion verwiesen wird.

In einer Kurzstudie des Beratungshauses PriceWaterhouseCoopers findet man folgende Begriffserläuterung: „Blockchain ist eine Technologie für sogenannte Peer-to-Peer-Transaktionen. Das bedeutet, dass jeder mit jedem innerhalb eines Netzwerkes direkt und ohne Intermediär Transaktionen durchführen kann.“ [2]

Das ist eine sehr allgemein gehaltene Definition. Die Definition beschreibt aber m. E. das Phänomen dem Wesen nach sehr gut. Ihr breiter Charakter ist gerechtfertigt und sie deckt sich im Wesentlichen mit unserer Erklärung des Grundprinzips.

Was ist Mining?

Welche Bedeutung hat das Mining? Wie in der obigen Darstellung des Grundprinzips deutlich geworden ist, ist Mining der Prozess, der dazu führt, dass Transaktionen validiert und in die Kontobücher verkettet werden. Mining ist die Voraussetzung dafür, dass überhaupt dezentral alle Kontobücher den gleichen Stand abbilden können. Ohne Mining wäre es nicht möglich, den erforderlichen „Distributed Trust“ herzustellen und somit auch den Intermediär überflüssig zu machen. Ohne das Mining-Verfahren gäbe es keinen Anreiz zur Verschlüsselung und Entschlüsselung der Blockchains. Damit wären diese unsicher und ihre Bedeutung fraglich.

Woher kommt der Name? Mining bedeutet „Schürfen“ und bezieht sich ursprünglich auf das Goldschürfen. „Schürfen“ bedeutet in diesem Fall, dass beim Mining der Gewinner eine Belohnung erhält, wenn er den speziellen Schlüssel herausgefunden hat, um die angekündigte Transaktion an die Kette zu hängen. Diese Belohnung hat der Miner tatsächlich originär erschaffen. Daher der Vergleich mit dem „Schürfen“.

Was für ein Datenschlüssel wird gesucht? Vereinfacht gesagt geht es darum, ein mathematisches Problem zu lösen. Hier geht es darum, dass die Kontobuchungen stets verschlüsselt werden. Um eine neue Kontobewegung einem bestehenden Kontobuch hinzuzufügen, ist daher ein ganz bestimmter „Schlüssel“ erforderlich. Der Wettbewerb der Miner besteht also in der Durchführung von Rechenoperationen.

Wer kann Miner sein? Jeder kann am Mining-Verfahren teilnehmen. Hierzu benötigt man spezielle Hard- und Software, die man erwerben kann. Da die mathematischen Probleme immer komplexer werden, steigen auch die Anforderungen an die Rechenleistung. Aus diesem Grund schließen sich Miner immer häufiger Mining-Pools an. Diese sind vergleichbar mit Lotto-Tippgemeinschaften. Wird ein Mining-Award gewonnen, so wird der Gewinn geteilt.

Was ist eine Blockchain-Cloud?

Um die für Mining erforderlichen Rechenoperationen durchführen zu können, gibt es bestimmte Anforderungen an Hard- und Software. Diese kann man kaufen, um z. B. bei sich vor Ort die IT-Infrastruktur aufzurüsten. Aber: Wie in allen anderen Branchen werden auch hier bereits Komplettpakete geschnürt und von den Infrastrukturanbietern wie z. B. IBM oder Microsoft als Cloud-Lösung angeboten.

Was ist Bitcoin?

Blockchain lässt sich als Technologie oder noch allgemeiner als Verfahren begreifen. „Bitcoin“ hat streng genommen zwei Bedeutungen. Einerseits steht der Begriff für die bekannteste und bisher nach wie vor ausgereifteste Blockchain-Anwendung mit dem Ziel, Geld zu transferieren. Bitcoin ist damit die bekannteste Konkretisierung der Technologie „Blockchain“. Zugleich ist Bitcoin aber – und das ist die in der Allgemeinheit bekanntere Funktion – eine Währung, mit der man Güter oder Leistungen bezahlen kann, wenn der Empfänger die Währung akzeptiert. Es ist die bekannteste digitale Währung, wenn auch nicht die einzige. Aktuell sind Bitcoins als Incentivierungsmittel in den meisten Blockchains für diese von tragender Bedeutung. Deshalb ist „Bitcoin-Mining“ ein legitimes Synonym. Auch wenn bereits neue mächtige Blockchains (z. B. Etherum) mit einem eigenen Zahlungsmittel (hier: Ether) auf den Markt drängen, ist Bitcoin in der Praxis mit Abstand am Weitesten verbreitet. Trotz logischer Trennung der Begriffe sind es in der Praxis die Bitcoins, die eine Blockchain überhaupt erst ermöglichen. Dies erscheint vor dem Hintergrund besonders erwähnenswert, als Bitcoin in der Presse eher kritisch behandelt wird, während Blockchain in ein positives Licht gerückt wird. Dies mag daran liegen, dass heute viele Schwierigkeiten von Bitcoin bekannt sind, die dazu geführt haben, dass sich Bitcoin bei Weitem nicht so entwickelt hat, wie es (erstmals) 2009 prognostiziert wurde. Aber nach heutigem Stand ist es fast unmöglich, an einem Blockchain-Verfahren teilzunehmen, wenn man nicht entweder Bitcoins gekauft oder selbst „geschürft“ hat [3]. Jeder kann zwar eine Blockchain ins Leben rufen, aber ohne ein Netzwerk von Computern, das die Verschlüsselungs- und Entschlüsselungsverfahren unterhält und incentiviert, wäre eine Blockchain unsicher und damit auch wert- und bedeutungslos. Vor diesem Hintergrund ist es richtig, den Zusammenhang zwischen beiden Konzepten zu sehen, auch wenn die völlig unterschiedlichen Betrachtungsebenen hinter den beiden Begriffen im Blick behalten werden müssen [4].

3. Blockchain – Auswirkungen auf unser Wirtschafts- und Zusammenleben

Blockchain-Wirkungsebenen

An dieser Stelle soll noch einmal Abbildung 4 aufgegriffen werden, um zu verdeutlichen, wie grundlegend die Blockchain unser Wirtschafts- und Zusammenleben verändern könnte:

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Abbildung 14: Die Eliminierung von Ineffizienzen durch Blockchain als Ausgangspunkt für radikale Veränderungen in der Wirtschaft


In dieser kleinen unscheinbaren Grafik steckt eine große Aussage: Blockchain soll Intermediäre überflüssig machen und die externen Effekte (Kosten, Zeit, direkte Kommunikation), die mit diesen für die Teilnehmer einhergehen, wesentlich verringern. Falls sich Blockchains durchsetzen können, bedeutet das, dass Peer-to-Peer-Transaktionen (also Transaktionen ohne Intermediär) in Echtzeit stattfinden können und auch noch fälschungssicher sind. Was diese Aussage für eine Tragweite und Bedeutung hat, wird einem erst allmählich bewusst. Zugleich ruft sie in Erinnerung, dass viele bedeutende Institutionen und Wirtschaftszweige ihre Existenz den genannten Ineffizienzen verdanken.

Blockchain – Chancen und Risiken aus Sicht der Verbraucher

Es gehört nicht viel Prognosekunst dazu, um vorherzusagen, dass die Verbraucher die größten Nutznießer von Blockchains sind. Sicherlich kommen auch neue Risiken dazu: Als größtes Risiko werden Sicherheitsrisiken genannt wie z. B. Cyberkriminalität im großen Stil. Aber in der Summe sind die Verbraucher die größten Nutznießer, da sie Kosten und Zeit sparen sowie direkter kommunizieren können, indem sie auf Intermediäre verzichten.

Blockchain aus der Sicht von Intermediären

Wenn wir bei dem oben verwendeten Beispiel bleiben, bei dem mithilfe von Blockchains Zahlungsströme zwischen den Teilnehmern direkt stattfinden sollen, stellt sich spontan die Frage, welche Bedeutung so eine Errungenschaft für Geldinstitute hätte. Um Geld von A zu B zu transferieren, wären demzufolge beispielsweise Banken nicht mehr notwendig. Was ist mit FinTechs, die sich auf Zahlungsvorgänge spezialisiert haben? Diese sind doch gerade dabei, das Geschäft der Finanzdienstleister auf den Kopf zu stellen. Dabei sind „einfache Bankgeschäfte“ wie Zahlungsverkehr mit das wichtigste Disruption Target. Werden FinTechs also überflüssig, bevor sie überhaupt wirtschaftliche Bedeutung erlangt haben? Was ist mit Ämtern und Gerichten? Wird es überhaupt noch notwendig sein, große Organisationen vorzuhalten, die fälschungssichere und vertrauenswürdige Dokumente ausstellen? Auch dabei handelt es sich um Intermediäre, deren Bedeutung infrage steht. Es gibt Blockchain-Initiativen, die fälschungssichere Verträge ermöglichen. Was ist mit Stromversorgern? Beispiele lassen sich noch viele finden. Man kann es kaum beschönigen: Für viele dieser teilweise sehr großen Organisationen steht die Existenz auf dem Spiel.

Blockchain-Anbieter

Geht es um die Bewertung von Geschäftsaussichten junger innovativer Unternehmen im Rahmen von Tech-Hypes, so gibt es an der Börse einen beliebten Spruch: An einem Goldrausch verdienen vor allem die „Pfannenverkäufer“ (also diejenigen, die das Schürfwerkzeug an die Goldsuchenden verkaufen), nicht die Goldsucher. Insbesondere vorsichtige Naturen setzen gerne auf die Pfannenverkäufer. Der Gedanke lässt sich auf das Spielfeld Blockchain übertragen: Falls Blockchain boomt, stehen sie wohl auf jeden Fall auf der Gewinnerseite: die Blockchain-Anbieter. Sie sind die Pfannenverkäufer bei einem möglichen Blockchain-Goldrausch: Hardware und Software, die für das Mining notwendig sind, sind gefragt. Die Großen haben sich schon in Stellung gebracht. Eine wichtige Säule der Blockchain-Anbieter werden Blockchain-Clouds sein. Microsoft und IBM als die großen Infrastrukturanbieter sind hier exemplarisch zu nennen.

Blockchain-Consulting

Ein komplexes Thema, das große Umstrukturierungen mit sich bringt, ist immer auch ein Feld für Unternehmensberatung. Die meisten großen Unternehmensberatungen (z. B. PwC, IBM Consulting, Deloitte usw.) haben zum Thema „Blockchain“ schon mehrere Studien publiziert und bauen Praxisinitiativen auf. Ansätze gibt es vor allem für die Strategieberatung, aber auch für Prozess- und IT-Beratung.

4. Blockchain-Anwendungen in der Praxis

Entwicklungsstand und Reifegrad

Wie manifestiert sich das abstrakte Konzept der Blockchain in der Praxis? Welche Anwendungen gibt es und welche Kategorisierungen lassen sich vornehmen? Derzeit ist man sich in allen Erhebungen einig, dass sich die meisten Blockchain-Anwendungen noch im Pilotstadium befinden – und hier die Finanzindustrie eine Ausnahme bildet. Auch kann man wohl heute schon zwischen privaten und öffentlichen Blockchains unterscheiden. Anhand dieser beiden Kriterien lässt sich eine vereinfachte Matrix-Darstellung entwickeln. Sie gibt einen groben Überblick über den aktuellen Stand der Blockchain-Landschaft:

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Abbildung 15: Vereinfachte Kategorisierungen von Blockchain in einer Matrix-Darstellung (angelehnt an der Kategorisierung von PwC in der hier im Quellenkasten zitierten Kurzstudie)


Jedes der Felder wird im Folgenden kurz skizziert.

Finanzsektor / öffentlich

Der erste und mit Abstand bekannteste Blockchain-Einsatz ist die öffentliche Blockchain Bitcoin. Wie oben beschrieben, steht Bitcoin nicht nur für das System, sondern auch für die Werteinheit. Das System ermöglicht es, Zahlungen ohne Intermediär durchzuführen. Bitcoin ist die für die Erklärung des Grundprinzips herangezogene Blockchain.

Finanzsektor / privat

Aber auch auf dem Gebiet der privaten Blockchains ist der Finanzsektor mit Abstand führend. Im Herbst 2015 stellte eine groß angelegte Studie von PriceWaterhouseCoopers fest, dass Banken das Thema Blockchain eher als unwichtig einstufen [5]. Schon ein Jahr später scheint sich das Blatt gewendet zu haben. Ende September 2016 hieß es in einer IBM-Studie, dass sich die Mehrzahl der Banken daranmacht, zu Blockchain zu wechseln. Deutlich wird das anhand des Engagements des R3-Konsortiums. Es umfasst 45 internationale Großbanken um das Startup R3. An Bord sind Banken wie Barclays, BBVA, Credit Suisse, JPMorgan, die Royal Bank of Scotland, die Deutsche Bank oder UBS. Sie bilden seit 2015 eine Partnerschaft mit R3, um Blockchain mithilfe von Industriestandards bankübergreifend nutzen zu können [6].

Nicht-Finanzsektor / öffentlich

Eine Alternative zu Bitcoin ist die Etherum-Blockchain. 2016 war das Jahr von Etherum. Gerade als Bitcoin immer mehr an Euphorie verlor, sorgte Etherum für große Begeisterung. Auch mit Etherum lassen sich Geldtransfers bewerkstelligen und eine eigene Währung gibt es auch: Statt Bitcoin gibt es bei Etherum als Token den Ether. Interessant an dieser Stelle ist folgender Aspekt: Weshalb wird Etherum nicht dem Finanzsektor zugerechnet, obwohl sie das gleiche macht wie Bitcoin – nur mit einer anderen Währung? Das kommt daher, dass Etherum viel mehr kann, als nur Finanztransaktionen zu ermöglichen. Etherum ist schon eine Abstraktionsstufe weiter. Anstatt die Transaktionen auf Geldeinheiten zu beschränken, werden hier Smart Contracts transferiert. Dies sind Verträge, die alles Denkbare im Wirtschaftsleben abbilden können, je nachdem, was als Smart Contract definiert wird.

Nicht-Finanzsektor / privat

Es gibt viele Branchen, in denen Blockchain getestet wird. So werden beispielsweise die Musikbranche, die Medizinbranche oder auch die Energiebranche genannt. Überall sind aktuell mächtige Intermediäre im Markt, deren Ausschaltung für die Teilnehmer der Blockchain große Vorteile hätte. Blockchain-Lösungen befinden sich in diesen Bereichen allerdings vorwiegend noch im Konzeptstadium.

Fazit

In diesem Beitrag ging es vorwiegend darum, Blockchain allgemein verständlich zu erklären. Welche Bedeutung Blockchain tatsächlich zukommen wird, ist noch unsicher, und vieles in der Praxis befindet sich noch im Experimentierstadium. Vor diesem Hintergrund halten wir folgende Punkte als Fazit fest:

  1. Dass Blockchain uns alle irgendwann intensiv beschäftigen wird, steht außer Frage. Ob dies so schnell gehen wird, wie es die Blockchain-Fans propagieren, erscheint allerdings trotz der teilweise starken Initiativen in der Praxis äußerst fraglich. Zu groß sind die Hürden, die aufgrund von Sicherheitsgefahren und Regularien bestehen. Es ist schwer, über diese hinwegzusehen.
  2. Eine bahnbrechende Entwicklung einerseits und starke Widerstände andererseits könnten zu einem Szenario führen, das starke Disruptionen in der Vergangenheit immer wieder erzeugt haben. Die Einsatzgebiete könnten ganz andere sein als diejenigen, in denen Blockchain heute noch vorwiegend erprobt wird. Zum heutigen Stand könnte man Blockchain als eine Lösung einstufen, die mit großer Wahrscheinlichkeit ihr Einsatzgebiet finden wird. Bis sich Einsatzgebiete durchsetzen, gilt vor allem der Satz aus den Zeiten des Goldrauschs: Am besten leben die Pfannenverkäufer vom Goldrausch, d. h. Anbieter von Blockchain-Infrastruktur werden sich zunehmender Nachfrage erfreuen.
  3. Eines ist jedoch sicher – und hier zeigen sich Fluch und Segen der Digitalisierung. Der Segen: Es gibt eine bahnbrechende Entwicklung und durch die digitalen Echtzeitkanäle erfährt man sehr früh davon. Der Fluch: Angesichts der hohen Bedeutung der Entwicklung muss man am Ball bleiben. Denn die Änderungsgeschwindigkeit ist so dynamisch, dass bei einem Durchbruch der Technologie der Markt blitzschnell verteilt sein wird. Für die Unternehmen heißt es also, am Ball zu bleiben, auch wenn Blockchain von der eigenen Unternehmenspraxis noch weit entfernt zu sein scheint.
  4. Eine Sonderrolle wird hier wohl wirklich die Finanzbranche einnehmen. Diese befindet sich ohnehin stark im Umbruch und viele neue Geschäftsmodelle werden erprobt, Prozesse umorganisiert usw. Hier ist zu empfehlen, dass alle, die mit dieser Branche in Verbindung stehen, die Blockchain-Thematik bereits jetzt in ihre Erwägungen einbeziehen. Das gilt für alle jetzigen und künftigen Player rund um den Markt der Finanzdienstleistungen.
1 Shai, Rubin (2016). What is Blockchain? [YouTube-Video], 08.06.2016. URL: https://www.youtube.com/watch?v=93E_GzvpMA0, 11.01.2017.
2 PriceWaterhouseCoopers (2016). Blockchain – Chance für Energieverbraucher? [Kurzstudie]. URL: http://www.pwc.de/de/energiewirtschaft/revolutioniert-blockchain-den-energiesektor.html
3 Bitcoin Guides (2016). Bitcoin vs Blockchain Technology. URL: http://bitcoindaily.org/bitcoin-vs-blockchain-technology/
4 BTC-Echo (2016). Wie kann ich Bitcoins minen? URL: https://www.btc-echo.de/wie-kann-ich-bitcoins-minen/
5 PriceWaterhouseCoopers (2016). Blurred lines: How FinTech is shaping Financial Services. URL: http://www.pwc.com/fintechreport
6 IBM (2016). Banken und Finanzmarkt-Unternehmen setzen auf schnellen Einsatz von Blockchains. Aufgerufen am 28.09.2016. URL: http://www-03.ibm.com/press/de/de/pressrelease/50661.wss

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Dalibor Karacic

Autor:

Dalibor Karacic

Geschäftsführer, Dallorey GmbH

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